das haus der eulen - the owl house

da ist dieser kleine mann, dunkel, "bushman" sagt er über sich, lesen kann er nicht, aber er ist ein guter schafscherer und handwerker. er lebt von saison- und gelegenheitsarbeit. er heißt koos malgas.

da ist diese frau, weiß, jüngste von sechs geschwistern, verheiratet gewesen mit einem charismatischen mann, politiker, wieder geschieden. sie hat nur 4 zehen am fuß, ein zeichen, sie verweigert sie sich der schwangerschaft. sie heißt helen martins.

da ist dieses dorf, mitten im nichts, in der karoo, eastern cape, south africa, trockenes land mit großer anziehungskraft. das dorf ist calvinistisch geprägt, das land lebt im weißen selbstverständnis der apartheid. und von schafzucht. das dorf heißt nieu bethesda.

es muß um das jahr 1964 sein. koos ist etwa 27 jahre alt, helen etwa 67. eine mauer muß gebaut werden. jemand meint koos solle es machen. koos begegnet helen. 12 jahre werden sie miteinander arbeiten. eine kunstsammlung wird entstehen mitten im garnichts, außerhalb jeder künstlerischen erziehung oder beeinflussung, voller merkwürdiger gestalten, wesen mit kaum erklärbarer ausdrucks- und anziehungskraft, und immer wieder eulen...........

helen gilt als exentrisch, die kinder werfen steine in den garten. sie geht zur kirche. sie kommt als letzte und geht als erste. sie hat strenge linien im gesicht, typisch für die menschen dieser kargen region. das haar eher dünn und nach hinten gekämmt. es gibt die mauer zwischen ihr und der gemeinde. jetzt muß die mauer her um den garten.

koos lebt das leben der apartheidszeit. eine winzige steinhütte abseits des dorfes. verheiratet mit johanna, sie haben elf kinder, nur drei überleben, allesamt mädchen. koos ist fleißig, geschickt mit den händen, die schule bricht er ab, bevor er lesen lernt. er ist ein guter schafscherer, bald vorarbeiter. helen braucht die mauer, koos baut sie.

helen fragt ob koos für sie arbeiten möge. er sagt, "ja, wenn es eine dauerhafte arbeit ist". bald nennt sie ihn "my hands", "my artist". er nennt sie "miss helen". sie leben in einer zeit der regeln, die sie befolgen. (auch heute noch werde ich im dorf mit "baas" angesprochen, boss.)

es ist dunkel im haus. als einziges der kinder kehrt helen zurück ins dorf. sie versorgt die eltern. nach dem tod des vaters streicht sie dessen raum schwarz. es ist dunkel in helen. sie beginnt das haus umzugestalten. bunte fenster, spiegel, wände aus zerstoßenen glasstücken, noch mehr spiegel, in formen, herzen, kreuze. "sie versuchte licht in die räume zu bekommen, deshalb das glas, deshalb die spiegel". georginah skota kannte sie noch, helen und koos. "und sie versucht licht zu bekommen in die dunkelheit in ihr drin." ob es funktioniert hat, das mit dem licht in ihr drin. "sie war sehr traurig aber sehr tapfer". als sie droht zu erblinden, kommt die dunkelheit umso stärker, helen nimmt sich das leben. sie ist 78 jahre alt.

da sind die spiegel, die glaswände, drucke der mona lisa in unterschiedlichen ausführungen, gleich daneben fotografien mit aktstudien früher zeit, eine madonna im durchsichtigen umhang, betten in jedem raum, ein ganzes regal mit einmachgläsern voller zerstoßenem glas, kein luxus, aber verschiedenste paar schuhe, alle fein, nicht zum arbeiten gemacht. dazu eulen, eulen, eulen. als figur und lebendig. im käfig gehalten. gefangene beschützer.

das material ist zement. koos lernt schnell damit zu arbeiten. ein gestell aus draht, darauf zement und die modulation. trocknen in der karoo-sonne. "alle buschmänner sind künstler", meint er. seine vorfahren haben die höhlenwände bemalt. eine ausbildung hatte er nicht. er ist "die hände". hände, die den figuren körperspannung, ausdruck, leben geben. die hände, die welten schaffen, religiös inspiriert, teils alltäglich, einladend und hell, meist unbemalt, in der strahlenden helligkeit des zements. war sie der kopf, die inspiration, die anleitung? war er nur der handwerker? seine enkelin julia hat sich in einem berührenden buch über ihren "helden" damit auseinandergesetzt ("koos malgas, sculptor of the owl house"). "du kannst einen handwerker beschäftigen um dir einen schäfer zu bauen, aber du kannst ihn nicht anleiten wie ein schäfer auszusehen hat, mit einem gesicht voller hingabe, einem körper voller zartheit. dafür brauchst du einen künstler......". koos hat nie einen anspruch erhoben.

helen ist tod. koos sucht arbeit. zieht fort. trinkt zuviel. er versorgt die familie. 12 jahre später findet man ihn, weil die skulpturen erhalten werden müssen. er arbeitet wieder im garten, baut nebenbei weitere skulpturen, die er unter einem baum vor dem owl-house verkauft. er trifft andere künstler. bis zu seinem tod lebt er in nieu bethesda.

da ist helen, da ist koos. sie arbeiten miteinander, füreinander, niemand weiß genau, wie es ist. da ist die mauer. hinter der mauer entsteht eine fremde welt. ein kleiner garten, über und übervoll mit gestalten, eine welt, in der helen einen eigenen kompass aufstellt, weil ihr der reale nordpol nicht gefällt. niemand weiß, wie es ist. es gibt eine mauer und es gibt ein "helen martins museum", nur wenige kennen koos malgas, den bushman.

author Frank Tusch

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